Uelzen - Info General - Anzeiger

Ausgabe -  18. März 1999

 
 
Landlose in Brasilien brauchen Hilfe

  Oldenstadt (mr). Zum Gesprächsabend mit Dias laden am Montag, 22. März, 19 Uhr, der "Offene Tisch - eine Welt" und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ins Gemeindehaus Oldenstadt, Klosterstraße 10, ein. Martin Feller, Vorstandsmitglied der AbL, berichtet über den Besuch eines Kongresses und mehrerer Siedlungsprojekte der Landlosenbewegung in Brasilien.
Daß der Abend hochinteressant werden dürfte, zeigen schon die Nachbetrachtungen Fellers; denn Brasilien ist ein Land der Gegensätze: direkt in den Innenstädten die Favelas, Hütten und Behausungen der Ärmsten der Armen, und auf der anderen Seite unermeßlicher Reichtum.
Es herrscht ein Klima, das landwirtschaftliche Produktion das ganze Jahr über ermöglicht. Die landwirtschaftliche Fläche von 390 Millionen Hektar wird zu 30 Prozent nicht genutzt.
Wie Martin Feller berichtet, existieren drei Millionen Besitztümer, von denen 2,8 Prozent sage und schreibe 56,7 Prozent der gesamten Fläche unfassen. Acht Millionen landlose Familien könnten auf den nicht bewirtschafteten Flächen leben und 4,9 Millionen Familien möchten sich eine Existenz aufbauen.
Movimento dos sem Terra (MST) ist die Selbstorganisation der Landlosen in Brasilien. Zu ihren Aufgaben gehören die Vermittlung zwischen Regierung und Landlosen, die Organisation von Landbesetzungen, Finanzbeschaffung, Information nach außen, Organisationsstruktur und Aufbau in den Siedlungen. Natürlich gehören auch Bildungsangebote zu den Aufgaben. 65 Prozent der Menschenin den Siedlungen sind Analphabeten.
Übergriffe seitens der Polizei nicht selten
"Natürlich werden die Landlosen nicht mit Samthandschuhen angefaßt", so Feller. Übergriffe seitens der Polizei seien keine Seltenheit. Erst im Dezember 1998 seien zwei MST-Aktivisten von bezahlten Killern erschossen worden.
"Die Medien", so Martin Feller, "berichten einseitig, und es wird versucht, MST in der Öffentlichkeit zu kriminalisieren."
All das könne aber ein Wachsen der Bewegung nicht verhindern, angesichts der Zukunftsaussichten ohne Landreform sei den Menschen klar, daß sie kämpfen müssen.
Neun Siedlungen, Acampamentos, zwei Wochen alt, bis Assentamentos, acht Jahre alt, standen auf Fellers Besuchsplan. "Die Menschen in den Siedlungen wissen, daß sie politische Unterstützung brauchen und sind interessiert an den Agrarentwicklungen in Europa", erzählt Martin Feller.
Auf die Frage "Was können wir für euch tun?" sei, so Feller, immer zuerst die Antwort "Informiert die Menschen über uns, wir brauchen politsche Zusammenarbeit mit Gruppen" gekommen.
"Das Beispeil Brasilien zeigt uns, wo das Wachsen und Weichen uns hinführen kann", sagt Feller. "In Brasilien sind die Zustände so krass, daß die Entwicklung zur Verteilung des Landes führt. Noch haben wir eine relativ klein strukturierte Landwirtschaft. Sorgen wir dafür, daß es so bleibt!"

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